Ein Treffpunkt für Diskussionen
Von Dieter Langhart. Aktualisiert am 23.06.2010
Leerstehendes Ladenlokal
Der Salon précaire ist bewusst kein eleganter Ort, sondern ein leer stehendes Ladenlokal zuunterst in einem Hochhaus. Die Suche war langwierig, obwohl überall Häuser leer stehen. «Vermieter sind nicht eingestellt auf begrenzte Aktionen», sagt das Forum. Zweieinhalb Jahre hatte dieser Laden leer gestanden, und wenn die Besitzerin einen Nachmieter findet, muss der Salon weichen. Sie verlangt nur 15 Prozent der Miete, sponsert so den Salon. Die vorstädtische Lage passt dem Forum. Claudia Rüegg lacht: «Stellt euch vor, ihr seid in Brooklyn.» (dl)
Entstanden ist die neue Idee des Forums andere Musik wie jedes Mal in der Gruppe, in der gemeinsamen Diskussion. Diesmal an einem der Architektur gewidmeten Wochenende im Maggiatal, in einem Restaurant, das auf die Piazza hinausgeht, auf den Mittelpunkt des Dorfes. Der Dorfplatz ist Treffpunkt und Ort der Auseinandersetzung: Man kommt und diskutiert und geht wieder.
Was die Kultur angeht, ist das Prinzip der Piazza bei uns nur bedingt anzutreffen, meint Präsidentin Claudia Rüegg: Man kommt, diskutiert kaum, geht wieder. «Wir haben keine Diskussionskultur im Thurgau», sagt sie, während man auf den Kulturwanderungen des Forums 2007/08 Zeit miteinander verbracht und automatisch miteinander geredet habe.
Das Thema des neuen Veranstaltungszyklus war gegeben: zusammenkommen in einem Salon. Salon précaire heisst der Salon. In ihm soll das Fragile, Prekäre, Fragwürdige auf das Abgesicherte treffen. Der Salon soll ein Ort der Fragen und Befragungen sein, der Suche und Auseinandersetzung. Das Kulturwandern richtete das Augenmerk über die Kunst auf die Landschaft, jetzt soll wieder auf die Kunst fokussiert werden.
Auf das Fremde treffen
Zum Auftakt diesen Freitag entfalten sich Botschaften aus der Fremde, treffen die Blicke von Migrantinnen auf die Blicke von Touristen. Kunst erforscht das Fremde: Niklaus Lenherr mit einer raumgreifenden Installation, steffenschöni mit ihrer Videoprojektion «Shqipëria: sehen wie das ist» (die sie vor einem halben Jahr in der videOst-Ausstellung in Wängi gezeigt haben): Albanien, ein Land im Umbruch, aus dem Blickwinkel vorüberfahrender Reisender gesehen, denen Sprache und Kultur fremd bleiben müssen.
Was wird Elina Duni, Albanerin in der Schweiz, in den Bildern des Künstlerduos steffenschöni sehen? Die Sängerin tritt mit ihrem Quartett auf, mischt den Gesang des Balkans mit dem Jazz des Abendlandes. Und der Ethnologe David Signer streut seine Kommentare dazwischen. Als Gesprächskeime sind sie gedacht, nicht als Referate.
Jeden letzten Freitag des Monats öffnet der Salon précaire seine Tür, siebenmal bis und mit Silvester. Jeder Abend wird anders sein – und von Suppléments begleitet. Noch nicht alle Suppléments sind definiert, und dass die Schweiz übermorgen gegen Honduras spielt, nimmt das Forum in Kauf. Gespannt ist es, ob auch Albaner oder Kosovaren auftauchen werden. 100 Besucher haben Platz, weitere 100 Stühle lassen sich dazustellen. (ThurgauerZeitung)
Erstellt: 23.06.2010, 11:13 Uhr
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